Wissen

Die Schilddrüse

Ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ mit großer Bedeutung – es steuert weit mehr als der Stoffwechsel allein.

Aufbau


Unterhalb des Schild­knorpels gelegen, beim Erwachsenen etwa walnussgroß.

Die Schilddrüse liegt an der Vorderseite des Halses, unterhalb des Schildknorpels. Ihre beiden Lappen sind über ein schmales Mittelstück – den Isthmus – vor der Luftröhre verbunden und erinnern in ihrer Form an einen Schmetterling. Bei Erwachsenen wiegt sie nur etwa 15 bis 25 Gramm.

Trotz ihrer geringen Größe produziert sie lebenswichtige Hormone, die nahezu alle Funktionen des Körpers mitsteuern – von der Körpertemperatur bis zur Konzentrationsfähigkeit.

In unmittelbarer Nachbarschaft liegen empfindliche Strukturen: die vier kleinen Nebenschilddrüsen, die den Kalziumhaushalt regeln, sowie der Stimmbandnerv.

Funktion

Ein Taktgeber für
den ganzen Körper.

Die Schilddrüsenhormone regeln zahlreiche grundlegende Vorgänge und beeinflussen praktisch jedes Organsystem.

Grundfunktionen

  • Körpertemperatur
  • Energie- & Sauerstoffverbrauch
  • Gewicht & Appetit
  • Stimmung & Antrieb

Organsysteme

  • Herz-Kreislauf-System
  • Magen-Darm-Trakt
  • Nerven & Muskeln
  • Haut, Haare & Nägel
  • Fruchtbarkeit

Entwicklung

  • Körperliche Entwicklung
  • Geistige Entwicklung
  • Von den ersten Wochen bis ins hohe Alter

Störungen der Schilddrüsenfunktion wirken sich daher sowohl auf das körperliche als auch auf das psychische Befinden aus – anfangs unbemerkt und mit unspezifischen Anzeichen.

Jod & Vorsorge


Kleine Bausteine mit großer Wirkung für eine gesunde Schilddrüse.

Jod ist der wichtigste Baustein der Schilddrüsenhormone. Eine ausgewogene Versorgung über die Ernährung unterstützt die normale Funktion – in bestimmten Lebensphasen wie bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf erhöht.

Ob und in welchem Umfang eine ergänzende Jodzufuhr sinnvoll ist, hängt von Ihrer individuellen Situation ab – gerne bespreche ich das persönlich mit Ihnen. Bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse – etwa Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis – ist dabei ein maßvolles Vorgehen wichtig.

Wenn das Gleichgewicht kippt

Häufige
Funktionsstörungen.

01

Überfunktion (Hyperthyreose)

+

Die Schilddrüse produziert zu viele Hormone. Häufige Anzeichen sind innere Unruhe, Herzrasen, vermehrtes Schwitzen und ein gesteigerter Appetit – bei oft zugleich abnehmendem Gewicht – sowie, bei Frauen, eine schwächere oder ausbleibende Regelblutung. Häufige Ursachen sind Morbus Basedow oder autonome Knoten; auch bestimmte jodhaltige Medikamente (etwa Amiodaron) können eine Überfunktion auslösen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

02

Unterfunktion (Hypothyreose)

+

Es werden zu wenige Hormone gebildet. Typisch sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, eine leichte Gewichtszunahme, Konzentrationsschwäche und – bei Frauen – eine verstärkte oder unregelmäßige Regelblutung. Meist liegt eine chronische Entzündung zugrunde, seltener eine von Natur aus kleine Schilddrüse; mit einer gut eingestellten Hormontherapie lassen sich die Beschwerden in der Regel gut kontrollieren.

03

Knoten

+

Knoten im Schilddrüsengewebe sind sehr häufig und in den allermeisten Fällen gutartig – mit zunehmendem Alter finden sie sich bei einem großen Teil der Bevölkerung. Der hochauflösende Ultraschall beurteilt Größe, Struktur, Ränder und Durchblutung und ordnet jeden Knoten einem Risikomuster zu. Ein Teil der Knoten braucht eine weiterführende Abklärung; viele lassen sich im Verlauf beobachten. Gerade deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig: Sie zeigen frühzeitig, wenn sich ein Knoten verändert, und stellen sicher, dass die Knoten, die Aufmerksamkeit verdienen, rechtzeitig erkannt werden.

04

Hashimoto-Thyreoiditis

+

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion: Das eigene Immunsystem richtet sich gegen die Schilddrüse. Sie betrifft Frauen deutlich häufiger als Männer und entwickelt sich oft über Jahre – anfangs unbemerkt, später mit den Zeichen einer Unterfunktion. Die Diagnose stützt sich vor allem auf Blutwerte und das typische Ultraschallbild. Behandelt wird, wenn nötig, mit Schilddrüsenhormonen; regelmäßige Kontrollen halten die Einstellung stabil.

05

Endokrine Orbitopathie (Augenbeteiligung)

+

Bei Morbus Basedow kann auch das Gewebe hinter den Augen mitreagieren – mit trockenen, geröteten oder druckempfindlichen Augen, einem hervortretenden Blick oder, seltener, Doppelbildern. Entscheidend sind frühes Erkennen und konsequenter Rauchverzicht: Rauchen ist der wichtigste beeinflussbare Faktor für einen schwereren Verlauf. Erste Anzeichen kläre ich frühzeitig ab; besteht der Verdacht auf eine endokrine Orbitopathie, ist eine rasche augenärztliche Behandlung angezeigt – ich stelle den Kontakt zur Spezialversorgung umgehend her.

Schilddrüse und Schwangerschaft

Gut versorgt,
von Anfang an.

Eine unerkannte Funktionsstörung kann bereits die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Bei Kinderwunsch empfiehlt sich daher eine Kontrolle der Schilddrüsenwerte schon vor der Schwangerschaft – so lässt sich eine bestehende Therapie rechtzeitig anpassen.

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen – sie unterstützen die gesunde Entwicklung des Kindes. Eine gut eingestellte Schilddrüse trägt in dieser Zeit ganz selbstverständlich dazu bei; mit regelmäßigen Kontrollen lässt sich das einfach im Blick behalten.

Ich begleite Sie mit engmaschigen Kontrollen durch Schwangerschaft und Stillzeit: Eine bestehende Hormontherapie wird kontrolliert und bei Bedarf angepasst, ich achte auf eine ausreichende Jodversorgung und behalte auch die Zeit nach der Geburt im Blick.

Auch in den Monaten nach der Geburt kann die Schilddrüse vorübergehend aus dem Takt geraten – eine sogenannte Postpartum-Thyreoiditis. Sie verläuft meist in zwei Phasen – zunächst eine Überfunktion, gefolgt von einer Unterfunktion – und reicht von milden bis zu ausgeprägten Verläufen. Viele Fälle bilden sich von selbst zurück; in anderen ist vorübergehend oder dauerhaft eine Therapie erforderlich. Erkannt und begleitet, lässt sie sich gut steuern.

Medizinisch geprüft – geprüft und freigegeben von Dr. Ingrid Schnegg-Rehwald,
Fachärztin für Nuklearmedizin, nach aktuellem medizinischem Standard.

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